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Andorn: Eigenschaften, Tee & Hildegard-Rezepte – Klosterkraut

Andorn Wirkung, Tee & Hildegard-Rezepte – Klosterkraut

Wer kennt noch den Andorn? Einst in keinem Klostergarten fehlend, aus jedem mittelalterlichen Kräuterbuch bekannt, heute kaum noch ein Begriff – der Gemeine Andorn (Marrubium vulgare) ist eines der am meisten unterschätzten Kräuter unserer Zeit. Dabei schrieb schon Hildegard von Bingen (1098–1179) in ihrer Physica über diese Pflanze: „Wer an der Kehle leidet, aber auch wer Husten hat, trinke diesen Andornwein und der Husten wird weichen."

Der Andorn gehört zur Familie der Lippenblütler – ein Verwandter von Salbei, Lavendel und Pfefferminze. Als eines der bekanntesten Hildegard-Kräuter steht er in der Klostertradition für eine jahrhundertealte Überlieferung. Dass er in Vergessenheit geraten ist, hat keinen guten Grund – es ist höchste Zeit, ihn zurückzuholen. 2018 wurde er zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

In diesem Beitrag erfährst du alles über Andorn: seine Bedeutung in der Kräutertradition, wie du Andorntee richtig zubereitest und was Hildegard von Bingen konkret über diese Pflanze schrieb.

Expertenmeinung: Was sagt die Wissenschaft zum Andorn?

„Der Andorn ist heutzutage als Heilpflanze fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Doch er hat einiges drauf: Bereits Dioskurides schrieb, er führe den Schleim aus der Brust, Paracelsus nannte ihn den ‚Arzt der Lunge'."

Quelle: PhytoDoc – Andorn: So wirkt die Heilpflanze des Jahres 2018, fachlich geprüft durch Prof. Dr. Michael Wink, Heilpflanzen-Experte und Mitautor des Standardwerks „Handbuch der Arzneipflanzen" (Wiss. Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2015).

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erkennt Andornkraut (Marrubii herba) offiziell als traditionelles pflanzliches Arzneimittel an.

Der Wirkstoff Marrubiin – ein Diterpen-Bitterstoff, der nur im Andorn vorkommt – ist heute pharmakologisch gut charakterisiert. Die Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg beschreibt ihn als kulturgeschichtlich hochinteressante Pflanze, die unter verschiedenen Gesichtspunkten zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Andorn – das vergessene Kraut der Klöster

Der Gemeine Andorn (Marrubium vulgare) ist eine mehrjährige, krautige Staude aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er wird zwischen 20 und 80 cm hoch, trägt silbrig-graufilzige, samtig behaarte Blätter und kleine weiße Blüten, die in dichten Quirlen um den Stängel angeordnet sind. Sein Geruch ist aromatisch-würzig, der Geschmack intensiv bitter. Schon der botanische Name gibt einen Hinweis: Marrubium leitet sich vom hebräischen marrub (= bitterer Saft) ab.

Ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum stammend, wurde der Andorn im Mittelalter in ganz Europa kultiviert – kein Klostergarten war ohne ihn. Das berühmte „Lorscher Arzneibuch" des 8. Jahrhunderts führt ihn ebenso wie der „Hortulus" des Mönchs Walahfrid Strabo vom Kloster Reichenau. Und schließlich beschreibt auch Hildegard von Bingen ihn in ihrer Physica ausführlich: als „wärmend und trocknend im zweiten Grad" – eine typische Zuordnung in ihrer Lehre über die Pflanzenwelt.

Seit dem 19. Jahrhundert geriet der Andorn zunehmend in Vergessenheit – unverdientermaßen. Denn in Deutschland ist er heute in der Wildnis selten und sogar gefährdet, was die Sammlung aus freier Natur verbietet. Im eigenen Kräutergarten lässt er sich jedoch gut anbauen. Im Handel ist er als getrocknetes Kraut und in Fertigprodukten erhältlich.

Andorn – ein faszinierendes Kraut aus der Klostertradition

Inhaltsstoffe des Andornkrauts

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Andorns sind seine Diterpen-Bitterstoffe, allen voran das Marrubiin (Mindestgehalt laut EMA: 0,7 % in der Droge), außerdem Prämarubiin und Marrubinsäure. Dazu kommen bis zu 7 % Gerbstoffe, Ursolsäure, Cholin, Flavonoide sowie rund 0,05 % ätherische Öle mit Limonen und Camphen. Diese Kombination macht den Andorn zu einem klassischen Amarum-Aromatikum (aromatisches Bittermittel) – genau wie den Wermut, der in Hildegards Lehre eine ähnliche Rolle spielt.

Andorn im Klostergarten anbauen

Im eigenen Garten ist der Andorn eine pflegeleichte, mehrjährige Bereicherung. Er bevorzugt einen sonnigen, windgeschützten Standort mit durchlässigem, nicht zu nährstoffreichem Boden. Staunässe verträgt er nicht. Angebaut werden kann er aus Samen oder durch Teilung älterer Pflanzen. In milden Wintern behält er sogar sein Laub – dann lassen sich frische Blätter ganzjährig ernten. Geerntet werden die oberen, blühenden Triebspitzen, am besten von Mai bis August.

Andorn in der Kräutertradition: Warum Paracelsus ihn den „Arzt der Lunge" nannte

Paracelsus nannte ihn den „Arzt der Lunge" – und dieser historische Beiname zeigt, welche Bedeutung dem Andorn in der Kräutertradition beigemessen wurde. Im Mittelpunkt stehen seit Jahrhunderten die Atemwege, doch der Andorn wurde in der Überlieferung noch vielseitiger beschrieben.

Bitterstoffreiches Kraut: Marrubiin ist der zentrale Inhaltsstoff. Die EMA erkennt Andornkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel an – Details dazu finden sich in der offiziellen EMA-Monografie.

In der Kräuterkunde vielseitig beschrieben: Durch seinen hohen Bitterstoffgehalt gehört Andorn in der Kräutertradition zu den klassischen Bitterkräutern. Die Gerbstoffe und ätherischen Öle tragen zum charakteristischen Geschmack bei. Mehr über die Rolle von Bitterstoffen in Hildegards Lehre erfährst du in unserem Beitrag zur Kräuterkunde nach Hildegard.

In der Forschung beachtet: Laborstudien untersuchen die Inhaltsstoffe der Andornextrakte. Die Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg beschreibt den Andorn als kulturgeschichtlich hochinteressante Pflanze.

Wärmend nach Hildegard von Bingen: Hildegard beschrieb den Andorn als „warm und trocknend im zweiten Grad". In ihrer Lehre über die vier Säfte bedeutet das eine bestimmte Zuordnung innerhalb ihres Systems – ein faszinierender Einblick in das Denken des Mittelalters. Für ein tieferes Verständnis von Hildegards Lehre lohnt sich ein Blick auf unseren Übersichtsbeitrag zur Lehre Hildegard von Bingens.

Hildegards Überlieferung bei Ohrenleiden: Über die Atemwege hinaus beschrieb Hildegard von Bingen Andorn auch bei tauben Ohren: Das Kraut solle in Wasser gekocht werden, der warme Dampf dann in die Ohren geleitet und das warme Kraut als Umschlag um Ohren und Kopf gelegt werden. Ob dieser Einsatz dem wissenschaftlichen Blick standhält, ist umstritten – er zeigt aber, wie umfassend Hildegard das Potenzial dieser Pflanze einschätzte.

Hinweis: Bei Magen- und Darmgeschwüren sollte Andornkraut nicht verwendet werden. In der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Wer Medikamente einnimmt, sollte Rücksprache mit dem Arzt halten. Hildegards Lehre beruht auf Überlieferungen und Erfahrungswerten; eine Wirkung ist nach wissenschaftlichen Kriterien nicht für alle überlieferten Anwendungsgebiete gleichermaßen belegt.

Andorntee: Zubereitung nach Hildegards Überlieferung

Der Tee ist die klassische und einfachste Zubereitungsform – und die, auf die auch Hildegard von Bingen am häufigsten zurückgriff.

Das klassische Hildegard-Rezept: Andornwein

Hildegard von Bingen empfahl Andorn bevorzugt nicht als Wassertee, sondern als Weinauszug – eine Zubereitung, die bis heute in Hildegards Überlieferung lebendig ist. Ihr überliefertes Rezept lautet: Andornkraut zusammen mit Fenchel und Dill in Wein kochen, abseihen und warm trinken.

Zutat Menge Rolle in Hildegards Lehre
Andornkraut (getrocknet) 3 EL (ca. 6–8 g) Zentrales Bitterkraut in dieser Rezeptur
Fenchelkraut oder -samen 1 EL Beliebtes Gewürz in Hildegards Lehre
Dillkraut 1 EL Wärmende Zutat in der Klostertradition
Weißwein (trocken) 500 ml Träger für die Inhaltsstoffe

Zubereitung des Andornweins

Die Kräuter mit dem Wein aufkochen und 3–4 Minuten leicht köcheln lassen. Anschließend durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen und in einer Thermoskanne warmhalten. Unser Andorn-Mischkräuter-Paket enthält bereits die fertige Kombination aus Andorn, Fenchel, Dill und Königskerzenblüten – abgestimmt auf dieses Hildegard-Rezept.

Andorntee mit Wasser – die alkoholfreie Variante

Wer keinen Alkohol zu sich nehmen möchte, kann Andorn auch als klassischen Wassertee zubereiten:

Zutaten: 1–2 Teelöffel getrocknetes Andornkraut (ca. 1,5–3 g) auf 150 ml kochendes Wasser.

Zubereitung: Das Andornkraut in ein Teesieb oder eine Kanne geben, kochendes Wasser darübergießen und 5–10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.

Verwendung: 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten, nach Geschmack mit einem Teelöffel Honig gesüßt. Tagesdosis laut EMA-Monografie: bis zu 4,5 g Andornkraut.

Die Anwendungsdauer sollte nicht länger als 4 Wochen ohne Pause betragen. Kinder unter 12 Jahren sollten grundsätzlich nur den Wassertee (nie den Weinauszug) erhalten und nur nach Rücksprache mit einem Arzt.

Andorn als Gurgelmittel

In der Kräutertradition wurde Andorntee auch als Gurgelmittel verwendet. Dafür einfach den abgekühlten (aber noch warmen) Tee mehrmals täglich gurgeln, ohne ihn zu schlucken. Die Gerbstoffe sorgen dabei für ein zusammenziehendes Mundgefühl.

Andorn in Hildegards Lehre: Kombinationen & Kräuter-Tradition

Hildegard von Bingen verwendete Andorn nie als Einzelkraut, sondern stets in Kombination. Ihr bekanntestes Rezept verbindet ihn mit Fenchel und Dill – eine Dreierkomposition, die auch in unserem Andornmischkräuter-Produkt bewahrt wurde.

In der Klostertradition wurde Andorn oft auch in Kräuterwein-Elixieren eingesetzt – ähnlich wie der Hirschzungentrank, der in Hildegards Schriften eine besondere Rolle spielt.

Über den Andorn hinaus finden sich in Hildegards Lehre auch Ysop, Bertram und Meisterwurz als häufig erwähnte Kräuter. Eine Übersicht findest du in unserem Kräuter- und Gewürzsortiment nach Hildegards Lehre.

Fazit: Andorn – ein Klosterschatz, der eine Wiederentdeckung verdient

Andorn ist ein außergewöhnliches Kraut: Jahrtausende alt in seiner Überlieferung, von der EMA als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt, und doch fast vergessen. Wer sich für die Kräuterkunde Hildegard von Bingens interessiert, kommt an dieser Pflanze nicht vorbei.

Ob als warmer Andornwein mit Fenchel und Dill nach altem Klosterrezept, als Tee mit Honig oder als Bestandteil einer bewussten Kräutertradition – der Andorn passt in viele Situationen. Kein Wunder, dass Paracelsus ihn den „Arzt der Lunge" nannte und Hildegard ihn als wärmendes Kraut für verschiedenste Überlieferungen beschrieb.

Stöbere in unserem Kräuter- und Gewürzsortiment und entdecke unser Bio-Andornkraut sowie die fertige Andorn-Mischkräuter-Kombination nach Hildegards Rezeptur. Entdecke auch unser gesamtes Sortiment nach Hildegards Lehre.

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