Quendel ist heute kaum noch ein Begriff. Dabei war dieser wilde Verwandte des Thymians eines der meistgenutzten Gewürze in der mittelalterlichen Klostertradition – und ein fester Bestandteil der Ernährungslehre von Hildegard von Bingen. Sie empfahl ihn täglich. Was hinter diesem fast vergessenen Kraut steckt, was Hildegard über seine Bedeutung schrieb – und wie Sie es heute noch einsetzen können, lesen Sie hier.
Was ist Quendel überhaupt?
Quendel (Thymus serpyllum) ist der botanische Name für den Wilden Thymian – eine krautige, niedrig wachsende Pflanze, die auf Wiesen, Heideflächen und trockenen Böden ganz Europas heimisch ist. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), genau wie der Garten-Thymian (Thymus vulgaris), mit dem er eng verwandt ist.
Der Name Quendel kommt aus dem Mittelhochdeutschen und leitet sich vom lateinischen cunila ab – einem Sammelbegriff für kleine, aromatische Kräuter. In alten Kräuterbüchern und Klosterschriften taucht er unter verschiedenen Namen auf: Feldthymian, Wilder Thymian, Feld-Quendel, Breitblättriger Thymian. Hildegard selbst verwendet in ihren Schriften den Begriff Quendel.
Im Vergleich zum Garten-Thymian ist der Quendel im Geschmack milder, leicht blumig und weniger scharf. Er enthält ähnliche Inhaltsstoffe – vor allem ätherische Öle wie Thymol und Carvacrol –, gilt aber von alters her als besser verträglich und vielseitiger einsetzbar.
Was schrieb Hildegard von Bingen über Quendel?
In ihrem Hauptwerk Physica (ca. 1150) beschreibt Hildegard von Bingen Quendel als eines der wichtigsten täglichen Gewürze.
Für Hildegard war Quendel eines ihrer vielseitigsten Gewürze – was erklärt, warum er in der Hildegard-Küche als eines der täglichen Grundgewürze gilt, neben Galgant, Bertram und Fenchel.
Besonders bemerkenswert: Hildegard empfiehlt Quendel ausdrücklich für Menschen mit Schwermut oder Niedergeschlagenheit. In der mittelalterlichen Lehre wurde Melancholie als körperliches Ungleichgewicht verstanden – und Quendel galt in Hildegards Überlieferung als wärmendes, aufhellendes Gewürz.
Quendel in der Dreiheit der Hildegard-Universalgewürze
In der Hildegard-Tradition gibt es drei Gewürze, die so grundlegend sind, dass sie in nahezu jeder Mahlzeit enthalten sein sollten: Galgant, Bertram und Quendel. Zusammen bilden sie das Fundament der Hildegard-Küche.
Während Galgant in Hildegards Schriften eine zentrale Rolle einnimmt und Bertramwurzel ihr meisterwähntes Gewürz ist, bildet Quendel die dritte Säule dieser Tradition. Die drei ergänzen sich gegenseitig und bilden gemeinsam das Fundament der Hildegard-Küche.
Hildegard dachte in Systemen. Für sie war eine bewusste Ernährung das Ergebnis täglicher, kleiner Entscheidungen durch die richtige Nahrung – nicht durch gelegentliche Maßnahmen.
Inhaltsstoffe des Quendels
Quendel enthält eine Reihe bemerkenswerter Inhaltsstoffe:
Thymol und Carvacrol – die wichtigsten ätherischen Öle im Quendel. Sie sind für den charakteristischen Geschmack und das Aroma verantwortlich. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat Thymiankraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt.
Rosmarinsäure – ein Inhaltsstoff, der in vielen Lippenblütlern vorkommt und Gegenstand aktueller Forschung ist.
Flavonoide (Luteolin, Apigenin) – pflanzliche Sekundärstoffe, die für die Pflanze selbst eine wichtige Funktion haben.
Gerbstoffe – typische Bestandteile vieler Kräuter aus der Klostertradition.
Quendel in der Kräutertradition
Atemwege und Lunge
Quendel ist in der Kräutertradition vor allem als Atemwegskraut bekannt. Hildegard widmete ihm in ihren Schriften besondere Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit der Lunge. Die EMA hat Thymiankraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt.
In Hildegards Überlieferung bei Schwermut
Hildegards Beobachtung, dass Quendel bei Schwermut eine Rolle spielt, ist aus historischer Sicht interessant. In der Kräutertradition wurde Quendel über Jahrhunderte bei Erschöpfung und Niedergeschlagenheit erwähnt – ein Erfahrungswissen, das in Hildegards Lehre seinen Ausdruck findet.
Als Küchengewürz
Als Gewürz in Speisen gehört Quendel in Hildegards Lehre zu den täglichen Grundgewürzen. Besonders bei schwerer, fetter Kost empfahl sie ihn als ausgleichendes Gewürz – eine Verwendung, die im Alltag noch heute beliebt ist.
In der Mundpflege
Thymol ist ein Inhaltsstoff, der in der modernen Mundpflege Verwendung findet. Hildegard empfahl Quendel-Auszüge auch als Gurgelwasser. Wer sich für natürliche Pflege interessiert, findet bei uns auch unsere Rebaschenzahnpflege, die ebenfalls auf Hildegard-Überlieferungen basiert.
Quendel vs. Garten-Thymian – worin liegt der Unterschied?
Eine häufige Frage: Kann man einfach normalen Küchen-Thymian nehmen? Grundsätzlich haben Quendel (Thymus serpyllum) und Garten-Thymian (Thymus vulgaris) ähnliche Inhaltsstoffe. Hildegard selbst bezog sich aber auf den wilden Quendel, wie er in Mitteleuropa natürlich vorkommt.
Unterschiede gibt es in der Intensität: Garten-Thymian ist schärfer, aromatischer und hat einen höheren Thymolgehalt. Quendel ist milder, leicht blumig und wird als besser verträglich beschrieben – besonders für Kinder, ältere Menschen und Personen mit empfindlichem Magen. In Hildegards Lehre wird ausdrücklich der Quendel bevorzugt.
Wie wird Quendel verwendet?
Als tägliches Küchengewürz
Die einfachste und von Hildegard bevorzugte Verwendung: Quendel täglich über Speisen streuen. Er passt zu Fleischgerichten, Suppen, Eintöpfen, Kartoffeln und Gemüse. In der Hildegard-Küche würzt man damit zusammen mit Galgant und Bertram – die drei Gewürze zusammen bilden das klassische Grunddressing jeder Mahlzeit.
Als Tee
Einen Teelöffel getrockneten Quendel mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und nach Geschmack mit Honig trinken. Ein beliebtes Kräutertee-Ritual, besonders in der kühleren Jahreszeit. Zwei bis drei Tassen täglich gelten als unbedenklich.
Als Inhalation
Quendel über kochendem Wasser inhalieren – ein altes Kräuter-Hausmittel, das auch in der Hildegard-Tradition verankert ist.
Als Gurgelwasser
Einen starken Quendeltee (doppelte Menge Kraut) zubereiten und abkühlen lassen. Zweimal täglich für ein bis zwei Wochen.
Als Badezusatz
Quendel in größeren Mengen aufkochen (ca. 100 g auf 2 Liter Wasser), abseihen und in ein Vollbad geben. In der Klostertradition wurden Kräuterbäder als bewusstes Ritual geschätzt. Das Quendelbad ist wärmend und entspannend – ideal in der kühleren Jahreszeit.
Quendel in Hildegard-Rezepturen
Dinkel-Quendel-Suppe
Eine einfache, wärmende Suppe nach Hildegard-Art: Dinkelgrieß (2 EL) in etwas Butter anrösten, mit heißer Gemüsebrühe (500 ml) aufgießen und 10 Minuten köcheln. Mit frischem oder getrocknetem Quendel, einer Prise Galgant und Bertram würzen. Diese Suppe passt besonders gut als leichtes Abendessen.
Hildegard-Kräuterbrot mit Quendel
Ein Dinkelvollkornbrot mit Quendel, Fenchelsamen und Galgant gebacken – das klassische Hildegard-Brot. Der Quendel gibt dem Brot ein mildes, aromatisches Aroma.
Quendel-Honig-Elixier
Einen starken Quendeltee aufbrühen, leicht abkühlen lassen und im Verhältnis 2:1 mit hochwertigem Honig verrühren. Täglich 1–2 Teelöffel einnehmen. Dieser Ansatz ist eng verwandt mit den Kräuterelixieren, die Hildegard in ihren Schriften beschreibt.
Quendel in Hildegards Jahreszeiten-Lehre
Hildegard von Bingen orientierte ihre Lehre stark an den Jahreszeiten. Quendel ist nach ihrer Überlieferung besonders wertvoll in Herbst und Winter.
Im Frühjahr steht dagegen die Wermutkur (Maikur) im Vordergrund. Im Sommer sind leichtere Kräuter wie Petersilie gefragt. Quendel als tägliches Gewürz bleibt das ganze Jahr aktuell.
Wer sich für den saisonalen Ansatz von Hildegards Lehre interessiert, findet in unseren Kuren nach Hildegards Lehre auf die Jahreszeiten abgestimmte Zusammenstellungen.
Quendel und Sicherheit – was Sie wissen sollten
Quendel gilt als sehr gut verträglich und sicher. Als tägliches Gewürz in normalen Speisemengen gibt es keinerlei bekannte Nebenwirkungen. Für Tees und konzentrierte Zubereitungen gelten folgende Hinweise:
Schwangerschaft: In größeren Mengen (also als konzentrierte Zubereitung, nicht als gelegentliches Gewürz) sollte Quendel in der Schwangerschaft gemieden werden.
Schilddrüse: Es gibt Hinweise, dass sehr hohe Quendelmengen die Schilddrüsenfunktion beeinflussen können. Bei bekannten Schilddrüsenerkrankungen empfehlen wir, vorher einen Arzt zu konsultieren.
Kinder: Als milder als Garten-Thymian ist Quendel auch für Kinder gut geeignet – sowohl als Tee als auch als Gewürz. Dennoch gilt: Kleinkinder unter zwei Jahren sollten keine Kräutertees in größeren Mengen bekommen.
Quendel kaufen – worauf achten?
Wer Quendel als Kraut einsetzen möchte, sollte auf Qualität achten. Im Supermarkt findet man kaum echten Quendel – meist wird dort Thymus vulgaris (Garten-Thymian) angeboten. Für die Hildegard-Tradition ist die botanische Herkunft relevant.
Achten Sie auf folgende Qualitätsmerkmale: klare botanische Bezeichnung (Thymus serpyllum), Herkunft aus kontrolliertem Anbau oder Wildsammlung, keine künstlichen Zusatzstoffe, möglichst Bioqualität. In unserem Sortiment unter Kräuter und Gewürze nach Hildegards Lehre finden Sie Quendel in geprüfter Qualität.
Häufig gestellte Fragen zu Quendel
Ist Quendel dasselbe wie Thymian?
Nicht ganz. Quendel (Thymus serpyllum) und Garten-Thymian (Thymus vulgaris) sind verwandte, aber verschiedene Arten. Quendel ist der wilde, in Mitteleuropa heimische Verwandte – milder im Geschmack, ähnlich in den Inhaltsstoffen, besser verträglich. Hildegard von Bingen bezog sich ausdrücklich auf den Quendel.
Wie schmeckt Quendel?
Mild-würzig, leicht blumig, mit einem Hauch Kräuterfrische. Im Vergleich zu Garten-Thymian weniger scharf und weniger intensiv – dadurch vielseitiger einsetzbar und auch in größeren Mengen gut verträglich.
Kann man Quendel täglich verwenden?
Ja – das ist sogar die ausdrückliche Überlieferung Hildegards. Als tägliches Küchengewürz über Speisen gestreut oder als Tee ist Quendel unbedenklich.
Passt Quendel zur Ernährung nach Hildegard?
Quendel ist fester Bestandteil der Ernährung nach Hildegard – neben Galgant und Bertram gehört er zu den drei Universalgewürzen, die Hildegard täglich empfahl. Wer die Ernährung nach Hildegard als Ganzes kennenlernen möchte, findet auf unserer Übersichtsseite alle wichtigen Grundlagen.
Wo kann ich Quendel in hoher Qualität kaufen?
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