Was wirkt entwässernd? Kräuter, Lebensmittel und Hausmittel im Überblick
Wassereinlagerungen im Körper – medizinisch als Ödeme bezeichnet – sind ein weit verbreitetes Phänomen. Besonders häufig betroffen sind Beine, Knöchel und Füße. Wer nach natürlichen Möglichkeiten sucht, die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren anzuregen, stößt auf eine Vielzahl von Kräutern, Lebensmitteln und Getränken, denen traditionell entwässernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Dieser Artikel gibt einen sachlichen Überblick – von der Botanik bis zur Küche. Wer bereits unter ausgeprägten Wassereinlagerungen leidet, sollte zunächst ärztlichen Rat einholen, da Ödeme verschiedene Ursachen haben können, die einer fachkundigen Abklärung bedürfen. Ergänzende Hinweise dazu finden sich auch in unserem Artikel zu Wasser in den Beinen: Ursachen, Symptome und hilfreiche Tipps.
Was bedeutet „entwässernd"?
Als entwässernd oder diuretisch bezeichnet man Substanzen, die die Harnproduktion der Nieren anregen und damit die Ausscheidung von Wasser und bestimmten gelösten Stoffen über den Urin erhöhen. Diuretika können sowohl als pharmazeutische Arzneimittel als auch als pflanzliche Lebensmittel oder Kräuter vorkommen. Der Mechanismus, über den pflanzliche Lebensmittel die Nierenfunktion beeinflussen, ist oft weniger stark ausgeprägt als bei synthetischen Diuretika, aber dennoch seit Jahrhunderten in der Volksmedizin bekannt.
Wichtig: Pflanzliche Lebensmittel und Kräuter, denen traditionell entwässernde Eigenschaften zugeschrieben werden, sind keine Arzneimittel. Für sie gelten keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) nach EU-Recht, sofern sie nicht als Arzneimittel zugelassen sind. Sie können als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung eingesetzt werden, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
Welche Kräuter gelten traditionell als entwässernd?
In der europäischen Volksmedizin und Klosterheilkunde wurden verschiedene Kräuter seit Jahrhunderten im Zusammenhang mit einer erhöhten Harnausscheidung beschrieben. Viele davon finden sich bis heute in Kräutertees und pflanzlichen Zubereitungen.
Brennnessel
Die Brennnessel (Urtica dioica) ist eines der bekanntesten Kräuter in der europäischen Pflanzentradition. Sie wächst als Wildpflanze nahezu überall in Mitteleuropa und ist reich an verschiedenen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, Mineralstoffen und Kieselsäure. In der Volksmedizin wurde Brennnesseltee traditionell bei Wassereinlagerungen und zur Anregung der Nierentätigkeit eingesetzt. Für Brennnesselblätterextrakt liegt eine monographische Bewertung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vor, die den traditionellen Gebrauch zur Durchspülungstherapie der Harnwege anerkennt – unter der Voraussetzung ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Unser Brennnessel Walnuss Elixier verbindet die Brennnessel mit weiteren traditionsreichen Zutaten nach Hildegard von Bingen.
Petersilie
Die Petersilie (Petroselinum crispum) ist nicht nur ein bekanntes Küchenkraut, sondern auch traditionell als diuretisch wirksame Pflanze bekannt. Insbesondere die Wurzel und die Samen der Petersilie wurden in der Volksheilkunde für diesen Zweck verwendet. Petersilientee aus frischen oder getrockneten Blättern ist ein bekanntes Hausmittel. In der Tradition Hildegards von Bingen spielte Petersilie als Gewürz- und Küchenpflanze eine bedeutende Rolle. Unser BIO-Petersilientrank greift diese Tradition auf – auch als Petersilientrank-Kur erhältlich.
Löwenzahn
Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist eine der vielseitigsten Wildpflanzen Mitteleuropas. Sowohl Blätter als auch Wurzeln des Löwenzahns wurden traditionell zur Anregung der Harnausscheidung verwendet. Löwenzahn enthält unter anderem Bitterstoffe, Inulin und Flavonoide. Die EMA hat den traditionellen Einsatz von Löwenzahnkraut und -wurzel zur Durchspülungstherapie der Harnwege anerkannt. Mehr über die vielfältigen traditionellen Anwendungen des Löwenzahns erfährst du in unserem Artikel zur Löwenzahn Tinktur.
Birkenblätter
Birkenblätter (Betula pendula) gehören ebenfalls zu den klassischen Volksheilkunde-Kräutern bei Wassereinlagerungen. Sie enthalten Flavonoide, Gerbstoffe und Saponine. Birkenblättertee ist eine traditionelle Anwendung, die in der EMA-Monographie für den Einsatz zur Durchspülungstherapie der Harnwege anerkannt wird. Birkenblätter eignen sich gut als Teeaufguss und sind in vielen Kräutermischungen enthalten.
Schachtelhalm
Schachtelhalm (Equisetum arvense) ist eine der ältesten Pflanzen der Erde und ein bekanntes Kraut in der Volksmedizin. Er enthält vor allem Kieselsäure sowie Flavonoide. Auch für Schachtelhalm existiert eine EMA-Monographie, die den traditionellen Einsatz zur Durchspülung der Harnwege anerkennt.
Goldrutenkraut
Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) ist ein weiteres traditionsreiches Kraut im Zusammenhang mit Harnwegserkrankungen und Durchspülungstherapien. Sie ist im Deutschen Arzneibuch monographiert und wird traditionell zur Anregung der Harnausscheidung eingesetzt. Die Goldrute enthält Flavonoide, Saponine und ätherische Öle.
Traditionelle Kräuter mit entwässernden Eigenschaften im Überblick
| Kraut | Botanischer Name | Verwendeter Teil | Traditionelle Anwendung | EMA-Monographie |
|---|---|---|---|---|
| Brennnessel | Urtica dioica | Blätter | Durchspülung Harnwege | Ja |
| Löwenzahn | Taraxacum officinale | Kraut, Wurzel | Durchspülung Harnwege | Ja |
| Birkenblätter | Betula pendula | Blätter | Durchspülung Harnwege | Ja |
| Schachtelhalm | Equisetum arvense | Kraut | Durchspülung Harnwege | Ja |
| Goldrute | Solidago virgaurea | Kraut | Durchspülung Harnwege | Ja |
| Petersilie | Petroselinum crispum | Blätter, Wurzel, Samen | Traditionell diuretisch | Eingeschränkt |
| Wacholderbeeren | Juniperus communis | Beeren | Traditionell diuretisch | Ja |
Welche Lebensmittel wirken entwässernd?
Neben Kräutertees gibt es eine Reihe von Lebensmitteln, denen traditionell entwässernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Viele davon haben einen hohen Wassergehalt und tragen allein durch die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme zu einer besseren Durchspülung der Nieren bei.
Gurke
Die Gurke (Cucumis sativus) besteht zu über 95 % aus Wasser und enthält Kalium – ein Mineralstoff, der bei der Regulierung des Flüssigkeitshaushalts eine Rolle spielt. In der Volksmedizin gilt die Gurke als ein klassisches entwässerndes Lebensmittel.
Spargel
Spargel (Asparagus officinalis) enthält Asparagin, eine Aminosäure, der in der Volksmedizin eine harntreibende Wirkung zugeschrieben wird. Spargel ist auch ein traditionelles Saisongemüse in der deutschen Küche und war bereits in der Antike als diuretisches Lebensmittel bekannt.
Wassermelone
Wassermelone besteht zu rund 92 % aus Wasser und enthält Kalium sowie Citrullin. In der Volksheilkunde wird ihr eine leicht diuretische Wirkung zugeschrieben. Vor allem in warmen Sommermonaten ist sie eine beliebte natürliche Möglichkeit, die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen.
Ingwer
Ingwer (Zingiber officinale) ist ein traditionsreiches Gewürz, das in vielen Kulturen eingesetzt wird. Ihm werden unter anderem verdauungsfördernde und kreislaufanregende Eigenschaften nachgesagt. Ingwertee gilt in einigen Überlieferungen auch als mild entwässernd.
Entwässernde Lebensmittel im Überblick
| Lebensmittel | Relevanter Inhaltsstoff | Traditionelle Eigenschaft |
|---|---|---|
| Gurke | Wasser, Kalium | Klassisches Volksmedizin-Mittel |
| Spargel | Asparagin | Traditionell harntreibend |
| Wassermelone | Wasser, Kalium, Citrullin | Mild diuretisch |
| Sellerie | Phthalide, Flavonoide | Traditionell diuretisch |
| Artischocke | Cynarin, Flavonoide | Traditionell galletreibend und diuretisch |
| Ingwer | Gingerole, Shogaole | Mild durchblutungsfördernd |
| Petersilie | Flavonoide, ätherische Öle | Traditionell harntreibend |
| Löwenzahn (Blätter) | Bitterstoffe, Kalium | Traditionell diuretisch |
Was wirkt entwässernd für die Beine?
Wassereinlagerungen in den Beinen entstehen häufig durch langes Stehen oder Sitzen, Hitze, hormonelle Schwankungen oder – in ernsteren Fällen – durch Erkrankungen des Herzens, der Nieren oder der Leber. Wer unter ausgeprägten oder anhaltenden Ödemen in den Beinen leidet, sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Einen ausführlichen Überblick zu Ursachen und Begleitmaßnahmen bietet unser Artikel Wasser in den Beinen: Ursachen, Symptome & hilfreiche Tipps.
Leichte, situationsbedingte Wassereinlagerungen – etwa nach einem langen Flugreise oder an heißen Sommertagen – können durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr, kräuterreiche Tees und eine kaliumreiche Ernährung begleitet werden. Bewegung, Hochlagerung der Beine und Wechselduschen gelten ebenfalls als klassische Begleitmaßnahmen in der Volksmedizin.
Entwässernde Tees – Zubereitung und Anwendung
Kräutertees sind die traditionellste Form, entwässernde Pflanzen einzusetzen. Für eine Durchspülungstherapie – wie sie etwa bei leichten Harnwegsinfektionen oder Wassereinlagerungen angewendet wird – ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 Litern täglich unerlässlich. Ohne ausreichend Flüssigkeit verpufft die entwässernde Wirkung der Kräuter.
| Kraut | Zubereitung | Empfohlene Menge pro Aufguss | Ziehzeit |
|---|---|---|---|
| Brennnessel | 1–2 TL getrocknete Blätter mit heißem Wasser übergießen | 1–2 g | 5–10 Minuten |
| Löwenzahn | 1–2 TL getrocknetes Kraut oder Wurzel mit heißem Wasser übergießen | 1–2 g | 10 Minuten |
| Birkenblätter | 2 TL getrocknete Blätter mit heißem Wasser übergießen | 2–3 g | 5–10 Minuten |
| Schachtelhalm | 2 TL getrocknetes Kraut mit heißem Wasser übergießen | 2 g | 5–15 Minuten |
| Petersilie | 1 TL frische oder getrocknete Petersilie mit heißem Wasser übergießen | 1–2 g | 5 Minuten |
Was wirkt entwässernd in der Schwangerschaft?
Wassereinlagerungen sind in der Schwangerschaft häufig und in vielen Fällen normal. Besondere Vorsicht ist jedoch geboten: Viele entwässernd wirkende Kräuter sind in der Schwangerschaft kontraindiziert oder nur eingeschränkt geeignet. Petersiliensamen und -öl in hohen Dosen sowie Wacholderbeeren gelten als in der Schwangerschaft ungeeignet. Auch Schachtelhalm und Goldrute sollten ohne ärztliche Rücksprache nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden.
Grundsätzlich gilt: In der Schwangerschaft sollten alle pflanzlichen Präparate und Kräutertees nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Hebamme eingenommen werden. Leichte, nicht krankhafte Ödeme in der Schwangerschaft können durch ausreichend Bewegung, Hochlagerung der Beine und eine ausgewogene Ernährung begleitet werden.
Entwässernd in der Tradition Hildegards von Bingen
In den Schriften Hildegards von Bingen finden sich zahlreiche Beschreibungen von Pflanzen, die im Zusammenhang mit der Niere und der Harnausscheidung erwähnt werden. Hildegard betrachtete die Nieren als wichtige Organe der körperlichen Balance und beschrieb verschiedene Kräuter und Lebensmittel, die in ihrem Konzept eine Rolle spielten. Petersilie nahm dabei eine besondere Stellung ein – sie wird in Hildegards Werk Physica ausführlich erwähnt und gehört zu den traditionsreichsten Küchenkräutern der Hildegard-Überlieferung. Unser BIO-Petersilientrank knüpft an diese Tradition an.
Wer sich für die Grundlagen der Ernährung nach Hildegard von Bingen interessiert, findet in unserem Artikel Ernährung nach Hildegard von Bingen einen umfassenden Einstieg. Ergänzend lohnt ein Blick auf unsere Hildegards Herbstkur – eine saisonale Kur nach überlieferter Tradition. Weitere Kräutergetränke und pflanzliche Produkte finden sich in unserem Kräutergetränke-Sortiment.
Praktische Tipps bei leichten Wassereinlagerungen
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Ausreichend trinken | Mindestens 1,5–2 Liter Wasser oder ungesüßte Tees täglich |
| Kochsalz reduzieren | Hoher Salzkonsum fördert Wassereinlagerungen |
| Kaliumreiche Ernährung | Bananen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Blattgemüse |
| Bewegung | Regelmäßige körperliche Aktivität fördert den Rückfluss von Gewebewasser |
| Beine hochlagern | Klassische Maßnahme bei Beinödemen |
| Kräutertee | Brennnessel-, Birken- oder Löwenzahntee als traditionelle Begleitung |
| Wechselduschen | Fördern die Durchblutung der Beine |
Wann sollte man zum Arzt?
Leichte, kurzfristige Wassereinlagerungen – etwa nach langem Stehen oder an heißen Tagen – sind in der Regel harmlos. Anhaltende, starke oder einseitige Ödeme, Ödeme die mit Schmerzen, Rötung oder Überwärmung verbunden sind, sowie Wassereinlagerungen im Gesicht oder an den Händen sollten jedoch immer ärztlich abgeklärt werden. Sie können auf ernsthafte Erkrankungen des Herzens, der Nieren oder der Leber hinweisen. Auch plötzlich auftretende Ödeme in der Schwangerschaft erfordern sofortige ärztliche Aufmerksamkeit.
Wer sich allgemein für eine bewusstere, naturnahe Ernährung interessiert, findet in unserem Artikel zu Lebensmitteln bei Entzündungen weitere nützliche Hintergrundinformationen sowie in unserem Beitrag zu den Bitterkräutern einen guten Überblick über die Vielfalt traditioneller Pflanzen.